Analyse der Windstromeinspeisung in Baden-Württemberg 2013

Das Erneuerbare Energien Gesetzes regelt in § 47 bis § 52, dass die Übertragungs-Netzbetreiber Kenndaten und Stromertrag der Wind-Energie-Anlangen in ihrem Netzbereich zu veröffentlichen haben. Neben Tennet, 50Hertz und Amprion für das restliche Bundesgebiet ist die TranetBW GmbH der verantwortliche Netzbetreiber für die Fläche von Baden-Württemberg:

 

Auf den Internetseiten der TransnetBW GmbH www.transnetbw.de sind die Kenndaten der in Baden-Württemberg errichteten Wind-Energie-Anlagen abrufbar: Daten Windenergieanlagen.

Daneben können auf den Internetseiten von TransnetBW die Einspeisedaten der WKA in Baden- Württemberg in 15minütiger Auflösung auch für zurückliegende Zeiträume abgerufen werden: Einspeisedaten Windstrom.

Ebenso kann die 15minütig aufgelöste Netzlast für weitere Auswertungen abgerufen werden:Daten Netzlast.

Weitere energiewirtschaftliche Daten und Auswertungen, auf die in dieser Ausarbeitung zurückgegriffen wird, können auf den Internetseiten des energiewirtschaftlichen Instituts der FH Aachen, Prof. Dr. Helmut Alt und des Fraunhofer Instituts ISE, Freiburg, heruntergeladen werden: www.alt.fh-aachen.de, www.ise.fraunhofer.de.

Daten und Auswertungen sowohl dieser Arbeit der BI Straubenhardt als auch der zugrundeliegenden Datenbestände von TransnetBW, Fachhochschule Aachen und Fraunhofer Institut wurden mit größtmöglicher Sorgfalt vorgenommen. Eine Haftung für mögliche Irrtümer wird ausgeschlossen.

Auswertung Windeinspeisung 2013

Die Auswertung der Anlagendaten ergibt zu Jahresbeginn einen Bestand von 369 Windrädern mit einer gesamten Nennleistung von 592 Megawatt. Im Verlaufe des Jahres erfolgt ein Zubau von 29 WKA mit weiteren 83 MW Nennleistung auf einen Schlussbestand von 396 Windrädern mit einer Gesamtleistung von 675 MW am 31.12.2013.

Die Stromeinspeisung der Windkraft schwankt in großem Umfang zwischen 0 MW, d.h. keines der in baden-Württemberg installierten Windräder erzeugte infolge flächendeckender Flaute Strom und einem Spitzenwert von 590 MW am 18. September 2013 um 15:30 als mit 93,6% der installierten Gesamtleistung nahezu alle Windräder für 15 Minuten ihre Nennleistung abgaben.

Im Jahresdurchschnitt lag die Windstromeinspeisung bei nur 59 MW. Das waren 9,2% der durchschnittlichen installierten Gesamtkapazität von 632,9 MW. Das entspricht einer Volllaststundenzahl von 809,5 Stunden und ist ein im bundesdeutschen Vergleich (1549 Stunden, Quelle: Prof. Dr. Helmut Alt, Energiewirtschaftliches Institut FH Aachen) außerordentlich geringer Wert. Der energiewirtschaftliche Ertrag einer Windkraftanlage lag im Jahr 2013 also nur bei rund der Hälfte einer WKA im gesamten Bundesgebiet.

Die Windeinspeisung verteilt sich im Detail wie folgt auf die einzelnen Monate:

Neben den Einspeisedaten in verschiedener Auswertung zeigt die Tabelle eine Hochrechnung, welcher Ertrag aus den gemittelten baden-württembergischen Daten für WKA in Straubenhardt zu erwarten sei. Es wird die zu erwartenden Stromerzeugung je einzelnes Windrad N117 im MWh und Anzahl Haushalts-Stromtagesbedarf ausgegeben sowie für derjenige für eine Anlage mit 12 WKA.

Man sieht, dass die in der Projektplanung genannte Zahl der Versorgung von 24.000 Haushalten in keinem Monat auch nur annähernd erreicht wird. Die höchste Strommenge wurde im Dezember erzeugt und entspricht dem Monats-Strombedarf von 9511 Haushalten; im Februar lag die Erzeugung bei der Strommenge für nur 2107 Haushalte und jahresdurchschnittlich wurde die Strommenge erzeugt, die 5282 Haushalten entspricht. Der tägliche Strombedarf eines Haushalts schwankt über die Jahreszeiten und wurde mit den genannten Tageswerten gerechnet.

Betrachtet man jedoch die Zeiten mit flächendeckend geringer Windstromproduktion (<1%) und fächendeckendem Totalausfall (=0), wird offensichtlich, dass infolge fehlender Speicheroptionen Windkraft die Versorgung keines einzigen Haushalts sicherstellen kann. Im gesamten Jahr 2013 lag die Stromproduktion an 1685 Stunden (!) unter 1%. Das sind mehr als 2 Monate oder täglich rund 4 Stunden, an denen praktisch kein Windstrom erzeugt wurde !

Grafische Darstellung Windstromeinspeisung 2013

Nachfolgend wurde die Darstellung der Windstromeinspeisung in Monatsdiagramme aufgeteilt. Die rote Fläche ist die erzeugte Strommenge, die grüne Linie zeigt die jeweils aktuell installierte Gesamtleistung:

Abschließende Betrachtungen

Bei der Betrachtung der grafischen Darstellung fallen große Zeiten mit nahezu keinerlei Windstromerzeugung insbesondere in den ersten vier Monaten 2013 auf. Bis Mitte März liegt die Windstromerzeugung für lange Zeiten nur im Bereich weniger Prozent. Der für die Zukunft unverzichtbar gesehenene Stromspeicherausbau zur Überbrückung derart langer Schwachwind-Zeiträume ist Utopie. Und auch das folgende kurze stärkere Aufkommen von Windstrom Ende März reicht nicht, um neben dem täglichen Versorgungsbedarf entleerte Speicher wieder zu befüllen. Bei der folgenden Schwachwindphase Anfang April wäre dann abermals keine Windstromversorgung möglich.

Mitte Mai verstärkt sich die Windstromerzeugung erstmals in 2013. Eine drei Wochen andauernde Schwachwindphase gibt es dann nochmals im Juli. Mitte September 2013 beginnt erstmals eine kräftige wenn auch kurze Windphase, gefolgt von einer ebenso kurzen wieder fast windstillen Zeit. Insgesamt steigt die Windstromproduktion nun aber deutlich an. Praktische die halbe Menge des 2013 erzeugten Windstroms wird im Zeitraum Mitte September bis Ende Dezember produziert.

Trotz der windstarken Monate war Windstrom in 2013 insgesamt so schwach, dass sich bis zum Jahresende nur ein geringe durchschnittliche Einspeiseleistung von 59 MW ergibt.

Berücksichtigt man, dass die baden-württembergische Netzlast zwischen 4000 MW und 9000 MW schwankt, sieht man, dass selbst eine Verzehnfachung des Windrad-Ausbaus vom Stand Anfang 2013 auf knapp 4000 Windräder auf den 36.000 qkm Landesfläche nur zu rund 600 MW Windstromeinspeisung und einem eigentlich belanglosen Anteil von weniger als 10% am baden-württembergischen Strombedarf hätte beitragen können.

Dieser Anteil ist vor allem deshalb belanglos, als es weiterhin keine Stromspeicher gibt und die 10% Strom nicht bedarfsgerecht erzeugt worden wären, sondern, wie die Diagramme zeigen, zeitlich extrem unterschiedlich verteilt. Es zeigt sich, dass konventionelle Kraftwerke in vollem Umfang zur sicheren Stromversorgung Baden-Württembergs unverzichtbar bleiben. Ein Stromspeicherausbau, der derart lange Schwachwindphasen, wie 2013 beobachtet, überbrücken könnte, ist utopisch.

Windräder können an so windschwachen Standorten wie Baden-Württemberg nur selten einen merklichen Beitrag zur Stromversorgung leisten. Dennoch benötigen Sie die gleiche Menge Ressourcen und Energie zu ihrer Herstellung, wie ihre dreimal effizienteren 'Kollegen' im Norden Deutschlands. Der Windradausbau in Baden-Württemberg kann aus energiewirtschaftlicher Sicht nur als Vernichtung großer Mengen Ressourcen und Energie für eine ideologische Sackgasse betrachtet werden.

Die Windstromerzeugung im Jahr 2013 zeigt, dass Windkraft in Baden-Württemberg keinen sinnvollen Beitrag zur Stromversorgung leistet. Neben den großen Versorgungsproblemen mit langen Schwachwind- und Totalausfallzeiten wird auch die insgesamt geringe Strommenge offensichtlich und erklärt, warum baden-württembergische Windkraftanlagen trotz den hohen Subvention durch das EEG nur mit betriebswirtschaftlichem Verlust betrieben werden können. Selbst Besenfeld/Simmersfeld als eine der bestgelegenen und deshalb noch über dem Landesdurchschnitt produzierenden Anlagen erwirtschaftet seit ihrer Inbetriebnahme nur durchgehend Verluste.

 

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