Betrachtungen zur Wirtschaftlichkeit von Straubenhardter Windenergieanlagen

Wind ist eine Energieform von sehr geringer Energiedichte. Es müssen deshalb sehr große Anlagen errichtet werden, um die Energie des Windes einzusammeln und sie in eine verwertbare Form wie elektrischen Strom umzuwandeln. Große Anlagen aber benötigen zu ihrer Errichtung große Mengen Ressourcen und folglich auch große Mengen Energie.

Werden für die Herstellung einer Ware oder Dienstleistung große Mengen Energie und Ressourcen benötigt, spiegelt sich das auch unmittelbar in hohen Herstellungskosten der Ware oder Diensleistung wider.

Das Straubenhardter Windkraftprojekt scheint zwar hinsichtlich Windrad-Modell und Standorte endgültig, eine genaue Kostenkalkulation ist aber noch nirgendwo zu finden. Im Vorfeld wurden Kosten von 5 Millionen Euro pro Windrad genannt und das deckt sich auch mit den bekannten Baukosten vergeichbarer Anlagen, beispielsweise im Hunsrück. Immerhin müssen für jedes Windrad gut zwei Fussballfelder Wald gerodet und abtransportiert, mehrere Meter tiefe Fundamente gegraben und große Stellflächen und breite Waldschneisen mit schwerlasttragfähigen Belägen errichtet werden. Dazu kommen dann die Baumaterialien, mehrere Tausend Tonnen Stahlbeton für Fundament und Turm, die fast hausgroße Generatorzelle sowie die fast 60m langen Rotoren aus energieaufwändigem Polyester- oder Carbon-Kunststoff.

Wir nehmen also Baukosten von 5 Millionen Euro pro Windrad an

für diese Kapitalmenge kann man alternativ auch 50.000 Tonnen Steinkohle erwerben [1]

der Energieaufwand zum Errichten eines Windrades entspricht also etwa demjenigen zur Förderung von 50.000 t Steinkohle

Steinkohle ist ein Energieträger mit einem sehr hohen Energiegehalt von 8,2 Megawattstunden pro Tonne [2]

50.000 Tonnen Steinkohle enthalten also die gewaltige Energiemenge von 8,2 MWh / t x 50.000 t = 410.000 MWh Energie

ein modernes, sauber gefiltertes Kohlekraftwerk mit Kraft-Wärmekopplung wie Mannheim Block Neun erreicht 66% Wirkungsgrad [3]

aus der Energie der Steinkohle kann Mannheim Block Neun 410.000 MWh x 66% = 270.600 MWh nutzbaren Strom und Fernwärme erzeugen

bei moderner Kohleverstromung entfallen rund 20% des gesamten Kapitaleinsatzes auf die Anlage und 80% auf den Brennstoff [4]

ein modernes Kohlekraftwerk wie Mannheim Block 9 liefert also 270.600 x 80% = 216.480 MWh rein netto nutzbare Energie

diese Energiemenge wird planbar und bedarfsgerecht als Strom und Fernwärme erzeugt. Diese Energie ist hochwertig.

Wieviel Energie kann nun ein Windrad aus der 5 Millionen Euro teuren Energiemenge gewinnen, die zu seiner Errichtung verbraucht wurde? Bei der Vorstellung der Straubenhardter Windkraftpläne hat der Projektplaner eine utopische Verfügbarkeit der Windräder von 3000 Volllaststunden [5] genannt. Schauen wir auf die Analyse der Windstromeinspeisung von Baden-Württemberg, finden wir für 2013 einen Ertrag von 809,5 VLS [6] über alle Windräder in Baden-Württemberg gemittelt. Die topografisch optimal gelegene Windradanlage in Simmersfeld/Besenfeld erwirtschafte 2013 einen Ertrag von 1417 VLS und im Mittel 1409 VLS seit ihrer Inbetriebnahme [7]. Diese Anlage wurde übrigens ebenfalls von der Firma Altus geplant, die seinerzeit 2.300 VLS für Simmersfeld prognostizierte [8]. Für Straubenhardt scheint eine Annahme von 1500 VLS also immer noch reichlich optimistisch - doch bleiben wir bei der Prognose von 3000 VLS.

Ein Windrad mit 2,4 MW Nennleistung erzeugt also 2,4 MW x 3000 h = 7.200 MWh Strom im Jahr

es muss folglich 216.480 / 7.200 = 30 Jahre laufen, um aus der für seine Herstellung verwendeten

Energiemenge die gleiche Energiemenge zu erzeugen, die ein modernes Kohlekraftwerk erzeugen kann

nehmen wir zum Vergleich 1500 VLS Jahresertrag an, muss ein Windrad sogar 216.480 / 3.600 = 60,1 Jahre laufen,

um aus dem Energieeinsatz zu seiner Herstellung die gleiche Energiemenge wie bei Kohleverstromung zu erzeugen

Jetzt wird Windstrom aber wetterabhängig und nicht planbar erzeugt, diese Energie ist deshalb minderwertig und muss

zusätzlich durch Regelkraftwerke oder Speicher geglättet werden, die weitere zusätzliche große Energiemengen benötigen

die Zeit zu vergleichbarer energetischer Wirtschaftlichkeit eines Windrades liegt folglich erheblich über 30 bzw. 60 Jahren Laufzeit!

Nach bisherigen Erfahrungen geht man bei Windenergie-Großanlagen von 20 Jahren Nutzungsdauer aus. Damit wird deutlich, dass die Erzeugung von Windstrom reine Energie- und Ressourcenvernichtung ist! Die Herstellung der Windräder, die gemäß dem Primärenergieverbrauch in Deutschland zu 78,7% mit fossiler Energie [9] und damit unter beträchtlichem CO2-Ausstoß erfolgt, führt also zu einer erheblich geringeren Energieausbeute als die reine Verbrennung der mit gleichem Energieeinsatz betriebenen Kohleverstromung in einem modernen Kohlekraftwerk.

Ist das nicht unglaublich ???   Wie kann das sein ???

Die Erklärung ist einfach: Die Gewinnmöglichkeiten durch das extrem überzogenene Subventionssystem durch das von der rot-grünen Bundesregierung im Jahre 2000 eingeführte Erneuerbare Energien Gesetz schaffen ein Klima für Mitnahmedenken, das mit der Mär des endlosen (Wind ist endlos - Windräder müssen aber regelmäßig komplett ersetzt werden) und sauberen Stroms grün angestrichen ist wie die Betontürme der Windräder. Berücksichtigt man, dass Windräder ja nicht vom Investor finanziert werden, sondern stattdessen von allen deutschen Stromzahlern durch ihre EEG-Abgabe, dann kann das Windradmodell lukrativ werden, denn jede erzeugte MWh wird über das EEG 20 Jahre garantiert weit über Marktwert honoriert. Da Windstrom ausserdem Marktvorrang hat, erwirtschaftet das Windrad bei 3000 VLS gesetzlich garantierte 7200 x 90 = 648.000 Euro jährlich, und armortisiert sich so betriebswirtschaftlich in weniger als 10 Jahren, obwohl der Windstromertrag eigentlich gering und die Erzeugung nicht bedarfsrecht - Windstrom also minderwertig ist.

Nur so kann eine volkswirtschaftlich uneffektive Anlage betriebswirtschaftlich interessant werden. Sie kann - doch nicht einmal das ist gewährleistet! Wird die prognostizierte Auslastung nämlich nicht erreicht, sondern wie im Falle Simmersfeld beispielsweise nur zu 60%, dann reicht selbst die extrem hohe Förderung durch das EEG nicht aus und die Anlage erwirtschaftet nur Verluste! Verluste für die Investoren - Verluste für alle Anlieger durch die Zerstörung wertvoller Natur und Verringerung der Immobilienwerte - und Verluste für die gesamte Gesellschaft. Gewinner des Geschäftes sind dann nur noch der Planer (derjenige, der den Ertrag prognostizieren und dabei die Messdaten geheimhalten darf), der Hersteller der Windräder und die Baudienstleister.

Und diese Verlustsituation ist aufgrund der Schwachwindlage die Realität für praktisch alle Windkraftanlagen in Baden-Württemberg und weit über unser Bundesland auch nach Norden hinaus.

 

Quellen:

[1] Drittlandsteinkohle frei Grenze 1. Halbjahr 2014: 73,44 Euro / Tonne SKE, Energieinfo Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, 3.9.2014.

Der Weitertransport zum Kraftwerk sollte für den Differenzbetrag zu 100 Euro / Tonne problemlos zu bewerkstelligen sein.

http://www.bafa.de/bafa/de/energie/steinkohle/drittlandskohlepreis/energieinfo.pdf

[2] 1kg Steinkohle = 1,016 SKE = 8,2 kWh

http://de.wikipedia.org/wiki/Steinkohleeinheit

[3] Mannheim Block Neun: Pel = 911 MW (Strom), Pth= 500 MW (Fernwärme), Brennstoff 258,8 t/h ergibt einen Gesamtwirkungsgrad von 66%

http://www.gkm.de/media/?file=337_Kurzbeschreibung_block9.pdf&download

[4] Baukosten Mannheim Block Neun 1,2 Mia. Euro, Brennstoffkosten 150 Mio. Euro/Jahr, Kapitalanteil Kraftwerk 20% bei 32 Betriebsjahren

http://www.gkm.de/projekt_block_9/technische_daten/

[5] Projektpräsentationsunterlagen Wircon Altus AG, 29.07.2014

http://www.straubenhardt.de/downloads/pushfile.cfm?aktuelles=284

[6] Auswertung baden-württembergische Windstromeinspeisung 2013, Stand Januar 2014, BI Gegenwind Straubenhardt, Quelle TransnetBW

http://www.gegenwind-straubenhardt.de/Auswertung%20Wind%20BW%202013%20Daten.pdf

[7] Erträge der Windkraftanlage Simmersfeld/Seewald, Stand Januar 2014, BI Gegenwind Straubenhardt, Quelle TransnetBW

http://www.gegenwind-straubenhardt.de/simmersfeld.htm

[8] Laues Lüftchen statt steifer Brise, Stuttgarter Nachrichten, 14.06.2011

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.windkraft-laues-lueftchen-statt-steifer-brise.525b4070-3303-4935-8667-9fd689f903a3.html

[9] Anteil fossiler Energieträger am Gesamtenergieverbrauch Deutschlands 2011 78,7%, BDEW

http://de.wikipedia.org/wiki/Energiemix

 

 

Anmerkung:

In der Projektpräsentation nennt der Planer / Investor eine '6 - 8monatige energetische Amortisationszeit' für die Windkraftanlagen. Diese Aussage wurde auch eindeutig in der öffentlichen Vorstellung am 29.07.2014 in der Straubenhardthalle vorgetragen. Der energetische Ertrag eines Windrades in 6 -8 Monaten liegt laut Planer / Investor bei 3600 - 4800 MWh. Dies soll dann also der Energieaufwand zur Errichtung eines kompletten Windrades N117 nebst aller Infrastrukturmaßnahmen sein ???

Die mehrfach wiederholte Nachfrage beim Planer, was unter der 'energetischen Amortisation von 6 - 8 Monaten' zu verstehen sei, wurde nicht beantwortet. Der Autor dieses textes stand wohl schon auf einer 'schwarzen Liste'.

 

Anmerkung 2:

Der Teilfächennutzungsplan Windkraft weist im Widerspruch zu den Präsentationsunterlagen einen Windstromertrag von nur noch 2000 VLS aus. Eine Erläuterung, wie die Verringerung des Windstromertrags zustande kam, sucht man jedoch vergebens.